Eine Petition unterschreiben?
Haben Sie sich auch schon gefragt, ob eine Protest-Unterschrift letztendlich doch nur ein einziger Tropfen auf den berühmten heißen Stein ist? So ergeht es mir immer wieder – und doch habe ich jetzt wieder eine internationale Petition unterschrieben. Sie protestiert gegen die Einstufung von Orang-Utans in Malaysia und Indonesien als „Ungeziefer“. Die Palmölkonzerne suchen dort einen Vorwand, um diese hochsensiblen Tiere mit brutalsten Mitteln bekämpfen und ausrotten zu können – angeblich, weil sie Palmbaum-Setzlinge fressen. Verschwiegen wird dabei, dass die Eigentümer der Palmöl-Plantagen sie dazu gezwungen haben, weil die Waldrodungen den Lebensraum der Orang-Utans, auch die „Menschen des Waldes“ genannt, rücksichtslos vernichten.
Was ist der Sinn meiner „kleinen“ Unterschrift unter diese Petition?
Zum einen möchte ich mit meiner Stimme zumindest symbolisch gegen diesen weiteren Rückfall in die Barbarei protestieren. Wegen der hier vorliegenden evolutionsbiologischen Nachbarschaft von Opfer und Täter gibt es bei den Orang-Utans noch nicht einmal die kaltherzige Ausrede allenfalls semi-humaner Politiker, es seien „ja nur Tiere“. Zum anderen möchte ich dazu beitragen, dass Hunderttausende, vielleicht gar Millionen dieser Tropfen das Grundwasser künftiger Menschlichkeit so ansteigen lassen, dass der feste Erdboden öffentlich gestützter Macht, auf den sich zynische Politiker bisher verlassen, für sie zu einem gefährlichen Sumpf wird, den sie irgendwann aus Selbstschutz dann doch verlassen müssen.
Das dürfte realistisch sein, wie ein Rückblick auf die Geschichte angewandter Ethik zeigt: Nicht durch Erdbeben, sondern durch Erderweichungen dieser Art wurden in ethisch orientierten Ländern tiefgreifende kulturelle Evolutionsschritte erreicht – bezogen auf Menschen z.B. ein Verbot der Sklaverei und der Folter, bezogen auf sensible Tiere deren öffentlich anerkannte Einbeziehung in die Philosophie und die Gesetzgebung kulturell fortschrittlicher Länder. Eine durchdachte Petition ist zwar kein Ersatz für eine systematische Tierschutzpolitik, aber immerhin ein erster Schritt zu diesem Ziel.
Wasmut Reyer