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Sind Tierschützer fremdenfeindlich?

Anlässlich der akutellen Diskussion in den Niederlanden zur Einführung eines Verbots des betäubungslosen Schächtens sehen sich die Vertreter des Gesetzesentwurfs häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würden sich der Religionsfreiheit und Toleranz gegenüber Migranten anderer Glaubensüberzeugungen widersetzen. Gleichzeitig ernten die Tierschützer mit ihrem Vorstoß Applaus aus dem politisch rechten Lager. Auf der Suche nach dem Notausgang heraus aus dem argumentativen Dilemma - lesen Sie die nachfolgende Analyse von Wasmut Reyer!

Schon 1925 hat Manfred Kyber (ein anthroposophisch eingestellter Schriftsteller und Denker) in seinem unanfechtbar argumentierenden Buch "Tierschutz, Prüfstein einer wahren Kultur" das Verbot des Schächtens gefordert*. Seitdem werden dagegen immer wieder dieselben Argumente vorgebracht, die jegliche Kritik an der Barbarei des betäubungslosen Schlachtens von vornherein abwürgen sollen: Ein Verbot gefährde die Religionsfreiheit und es sei intolerant. In den letzten Jahren kam noch ein weiteres Totschlagargument hinzu, nämlich, dass ein Schächtverbot fremdenfeindlich sei.

Noch vor Jahrzehnten vertraten in Europa fast nur pro-mosaische Ideologen diesen religionsdiktatorischen, anti-ethischen Standpunkt. Jüdische Denker mit philosophisch-humanistischer Orientierung haben dagegen zwar schon früh und sehr entschieden ihre Stimme erhoben!** Doch hat das nicht verhindern können, daß z.B. im Tierschutzgesetz Nachkriegsdeutschlands für mosaisch Gläubige das Schächten erlaubt blieb. Durch die verhältnismäßig geringe Zahl der daran Interessierten hielt sich der öffentliche Widerstand allerdings in Grenzen.

Doch seit dem Beginn der sogenannten "Multi-Kultur" in Europa wurde das Schächten in Deutschland zu einem Großthema: Es bekommen nun vor allem hier aktive pro-islamische Agitatoren Oberwasser, die mit überraschender Selbstverständlichkeit ein Recht auf diesen Rückfall in die Barbarei propagieren. Und dies mitten in Europa, wo viele Menschen in dieser Hinsicht bereits eine fortgeschrittene ethische Stufe erreicht hatten. Geradezu grotesk nimmt sich demgegenüber die Nachricht aus, dass sogar die bisher schächtfreundliche Türkei zum Ende 2011 das betäubungslose Schlachten verbieten will!

Die Mehrheit der Deutschen getraute sich bisher nicht, dem mutig entgegenzutreten. Die meisten Deutschen waren hierin Opfer eines historisch bedingten "Curare-Effekts". Infolge ihrer jüngsten Geschichte waren sie sozusagen gelähmt, mussten aber (wie bei Curare im Körper) bei vollem Bewußtsein das Schreckliche miterleben. Nun aber droht sogar in den historisch unbelasteten Niederlanden ein ähnlich starker, hier allerdings politisch bedingter Curare-Effekt: Die Furcht vor dem Stempel "fremdenfeindlich" erweist sich als höchst ansteckender Virus. Er ist offensichtlich aus Deutschland in den Nachbarstaat hinübergewandert und droht nun auch, die geistige Abwehrkraft der Niederländer zu lähmen.

Dabei könnte dieses Land das zweite EU-Mitglied sein, das mit einem Verbot des betäubungslosen Schlachtens einen ethischen Meilenstein setzen würde! Schweden wäre mit seinem Schächtverbot in der EU nicht mehr allein, und die Realisierung einer ganzheitlichen Humanitätsidee hätte endlich in der EU keinen bloßen "Insel-Charakter" mehr. (Die Schächtverbots-Staaten Norwegen, Island, Schweiz und Liechtenstein gehören ja nicht zur EU).

Lassen Sie uns deshalb gemeinsam überlegen, in welcher Weise wir hier den Niederländern zur Seite stehen könnten. Schaffen wir ein erstes Beispiel für eine europäische Solidarität der ethischen Kultur!


* Neu herausgegeben 1982 unter dem Titel "Tierschutz und Kultur", mit einem Vorwort des damaligen Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Dr. Andreas Grasmüller

** ableitbar aus einer noch viel weitergehenden Ablehnung, nämlich des Schlachtens überhaupt: z.B. Abraham Lincoln, Rosa Luxemburg, Franz Kafka, Albert Einstein, Max Horkheimer, Elias Canetti, Theodor W. Adorno, Isaac B. Singer, Peter Singer