Hoffnung für Russlands Robben?
„Liga für Tierschutzpolitik“ sieht neue Chancen für Eindämmung grausamer Robbenjagd
Auf einen Großteil der Zigtausend neu geborenen Robben in Russland am Weißen Meer wartet in Kürze ein extrem grausamer Tod: Ein norwegisches Unternehmen hat vom 11. März bis 30. April für die nächsten 7 Jahre die amtliche Genehmigung zur Jagd auf Sattelrobben erhalten, laut „Berliner Umschau“ zu 80% vom norwegischen Staat subventioniert.
Mit einer Art Spitzhacke wird auf die Köpfe der Robben eingeschlagen, mit der man sie auch über das Eis schleift. Den noch nicht einmal vier Wochen alten Babyrobben wird im Akkord das begehrte Fell bei vollem Bewusstsein vom Leibe gerissen, meist vor den Augen ihrer sensiblen, hilflosen Mütter. Europa-Abgeordnete stellten schon 2006 fest, dass in den letzten vier Jahren im Nordwestatlantik über 1,5 Millionen Sattelroben, zumeist weniger als 3 Monate alt, abgeschlachtet und davon 42% bei lebendigem Leib gehäutet worden sind. In Russland wurde 2008 laut dem Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) die Tötung von 137.000 Jungrobben erlaubt.
Viele Politiker rechtfertigen diese Massenschlachtungen mit wirtschaftlichen Gründen. Sie sprechen von Sachzwängen, ohne adäquate Alternativen ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Dabei wissen Fachleute sehr wohl, dass die Vermarktung von Robbenprodukten lediglich einen Bruchteil des wirtschaftlichen Erfolges verspricht, den ein neuer Geschäftszweig „Öko-Tourismus“ langfristig profitabel eröffnen könnte.
Die russische Regierung verbot zwar jetzt die Jagd auf Sattelrobben-Babys im Alter von bis zu vier Wochen, und Ministerpräsident Putin sprach sogar von einem „blutigen Geschäft, das schon viel früher hätte verboten werden müssen“. Aber das Fischereiministerium gab kurz darauf die Erlaubnis zu unbeschränkter Robbenjagd für die Hochsaison vom 11. März bis zum 30. April. Nun hoffen die inzwischen mit rd. 350.000 Unterschriften auch international protestierenden Tierschützer auf den Erfolg von Putins Plan, wenigstens für die Zukunft die Jagd auf Robben bis zum Alter von einem Jahr gänzlich zu verbieten. Er hat dabei bereits das Ministerium für Ressourcen auf seiner Seite, indirekt sogar das Europäische Parlament. Dessen Binnenmarktausschuss hat sich nämlich vor wenigen Tagen eindeutig für ein totales Verbot des Im- und Exports sowie des Transits von Robbenprodukten ausgesprochen (nur den Eskimos wurde eine existenzsichernde Ausnahme zugebilligt).
Die informierte Bevölkerung, auch in den anderen Robben schlachtenden Ländern, ist zwar regelmäßig entsetzt, reagiert aber angesichts übermächtig erscheinender Wirtschaftseinflüsse eher hilflos.
Die kürzlich ins Leben gerufene „Liga für Tierschutzpolitik“ will sich mit dieser unbefriedigenden Situation nicht abfinden. Sie schlägt vor, nicht nur im Hinblick auf das Schlachten der Robben, sondern im gesamten Bereich des Tierschutzes neue, international orientierte Wege zu gehen, bei denen der Tier- und Artenschutz nicht nur fallweise, sondern durchgängig in die gesamte Politik integriert wird. Sie hat dabei alle Formen des über den Globus verteilten grausamen Umgangs mit Tieren im Blick, wie etwa die barbarische Schlachtmethode des betäubungslosen „Schächtens“, die intensive Massentierhaltung, die brutalen Tiertransporte, die stummen Leiden zahlloser, hinter Labormauern vegetierender Versuchstiere, und auch die Todesqualen asiatischer Hunde und Katzen, welche als Delikatesse gehandelt werden.
Die „Liga für Tierschutzpolitik“ setzt sich dafür ein, dass der „Blaue Planet“ nicht mehr für unzählige Tiere ein „Globus in Rot“ ist. Der weltweite Leitwert Humanität wird bisher in erster Linie auf den Umgang des Menschen mit dem Menschen beschränkt angewandt. Jedoch erhält das Humanitätsbekenntnis seine Glaubwürdigkeit erst dann, wenn generell bei Lebewesen das Ausmaß ihrer Empfindungs- und Leidensfähigkeit zum Maßstab des Umgangs mit ihnen gemacht wird. Das Ziel dieser parteiübergreifenden Langzeitinitiative ist es, auf der Basis einer umfassenden Humanität eine Tierschutzpolitik zu erreichen, die diesen Namen verdient und den gleichen Grad an Anerkennung erhält, den die Umweltschutzpolitik bereits besitzt.