Russland erweitert Robbenjagdverbot
„Liga für Tierschutzpolitik“ begrüßt Brücke einer neuen Humanitätspolitik
In Russland ist ein komplettes Verbot der Jagd auf Robbenbabies ausgesprochen worden. Das Erlegen von Robbennachwuchs bis zu einem Jahr (Serki, graue Robben) und der Robben im Fellwechsel (Chochluschki, eigentlich scherzhaft für die Ukrainerin) ist komplett verboten worden. Wie der Pressedienst des Umweltministeriums mitteilt, hat dazu Jurij Trutnev, Umweltschutzminister, am Mittwoch informiert.
Ende Februar 2009 ist ein komplettes Verbot für das Erlegen von weißen Robbenbabies mit einem Alter von bis zu einem Monat sowie für die Sattelrobbe selbst in allen Gewässern des Weißen Meeres ausgesprochen worden. In Zusammenhang damit hat die Weisung des Ministeriums für Fischereiwesen „Zu Fischereirechten für das Nördliche Fischereiwirtschaftsbecken“ die Möglichkeit offen gehalten, andere Alterskategorien des Robbennachwuchses zu erlegen, vor allem „Serki“ („Grauchen“) in der Zeit vom 10. März bis 01. Mai eines jeden Jahres.
Das Umweltministerium legte Protest gegen diese Entscheidung ein. Gegenwärtig sind dementsprechende Änderungen in die Durchführungsbestimmungen für das Fischereirecht durch das Ministerium für Fischereiwesen eingebracht worden. Danach ist in Russland das Erlegen von Chochluschki (Robben im Fellwechsel) und der Grauchen (Robbennachwuchs bis zu einem Jahr) verboten. „Das Dokument ist dem Justizministerium zur Registratur übergeben worden“, heißt es in der Mitteilung.
Die „Liga für Tierschutzpolitik“ hat sich in Verbindung mit Menschen, die sich in Russland für mehr Tierschutz engagieren, für eine Beendigung der durch Norwegen subventionierten Robbenmassaker am Weißen Meer eingesetzt. Mit diesem weitergehenden Verbot der Robbenjagd reagiert die Russische Föderation vorbildhaft auf die Zeichen der Zeit: Die große Mehrzahl der Menschen will einfach nicht mehr, dass die unvermeidlich tierquälerische Massenabschlachtung der Robben weiter stattfindet. Die Bevölkerung will auch mehrheitlich nicht mehr akzeptieren, dass durch Politiker sogenannte „faule Kompromisse“ ausgehandelt werden.
Es bleibt nun zu hoffen, dass die Abgeordneten des Europäischen Parlaments im April mehrheitlich für ein Handelsverbot von Robbenprodukten abstimmen werden. Damit würden sie eine Brücke zu einer Humanitätspolitik der Russischen Föderation nicht durch eine Berücksichtigung einseitiger außereuropäischer Interessen gefährden. Die ethisch sensibilisierte Bevölkerung Europas wird die EU-Entscheidung als einen Testfall für die Menschlichkeit europäischer Politik betrachten.